Brüninghoff realisiert neuen Betriebsstandort für Toni Behr in Gilching

Ideale Rahmenbedingungen für die Präzisionsfertigung

Wie eine intelligente TGA- und Logistikplanung zum Gelingen eines Bauvorhabens beitragen kann, wird beim Bau des neuen Unternehmenssitzes der Toni Behr Maschinen- und Apparatebau GmbH deutlich. Die Planung und Ausführung des Gebäudekomplexes in Gilching (Bayern) lag in den Händen von Brüninghoff. In nur einem Jahr errichtete der Projektbauspezialist eine Produktionshalle in Beton-Skelett-Bauweise nebst Verwaltungsgebäude. Das Bauvorhaben brachte verschiedene Herausforderungen mit sich: Unter anderem mussten 23 Meter lange und bis zu 40 Tonnen schwere Binder auf die Baustelle transportiert und montiert werden. Im Hinblick auf die Technische Gebäudeausrüstung wurde eine effiziente Lüftungsanlage eingeplant, die ein konstantes Raumklima in der Produktionshalle gewährleistet.

Im Dezember 2018 erfolgte die Fertigstellung des Unternehmenssitzes von Toni Behr auf einem 5.000 großen Grundstück im bayerischen Gilching. Täglich werden in der von Brüninghoff realisierten rund 2.700 Quadratmeter großen Halle Präzisionsteile mit Größen zwischen 60 und 1.250 Millimetern gefertigt. Diese kommen vorwiegend im Maschinenbau, in der Luft- und Raumfahrt, in der Automobil- und Bauindustrie sowie in der Pharma- und Messtechnik zum Einsatz. Die für die Fertigung dieser Präzisionsteile realisierte Halle wurde als Beton-Skelett-Konstruktion ausgeführt. Bedingt durch den Arbeitsablauf sind mehrere separate massive Einbauten – vom Werkzeug- und Mess- bis hin zum Schweißerei- und Kompressorraum – in die Halle integriert. Das zweigeschossige Verwaltungsgebäude bildet die nordwestliche Ecke des Gebäudes und ist quasi in die Halle „eingeschoben“. Eine massive Trennwand schottet den Verwaltungsbereich schalltechnisch von der Produktion ab. Türen zwischen Halle und Büro sorgen für die direkte Verbindung der beiden Bereiche.

Beton in der Tragwerkskonstruktion

Das Tragwerk der Halle besteht aus Satteldachbindern aus Spannbeton sowie Betonfertigteilstützen. Letztere verfügen über einen Querschnitt von 50 mal 50 beziehungswiese 40 mal 50 Zentimetern und eine Länge von jeweils 8,50 Meter – inklusive der Einspanntiefe. Bei den Bindern handelt es sich um tragende und aussteifende Bauteile, die durch eine planmäßige Vorspannung der Stahleinlage höhere Stützweiten ermöglichen, als dies bei klassischem Stahlbeton der Fall wäre. Die Außenwand der Halle besteht – im unteren Bereich – aus einem zwei Meter hohen gedämmten Stahlbetonsockel. Im oberen Bereich sind Wandriegel aus Stahl in Verbindung mit einer zehn Zentimeter starken vertikalen Isowand angeordnet. Die Fertigung der Betonfertigteilstützen und des Stahlbetonsockels erfolgte im Brüninghoff-Werk in Heiden. Die Stahlbetonbinder wurden extern bezogen. Die Ausführung der Dachkonstruktion erfolgte als Warmdach mit einer von innen sichtbaren Tragschale aus Trapezblechen. Den weiteren Aufbau – von innen nach außen – bilden eine Dampfsperre, eine 16 Zentimeter starke, nicht brennbare (A1) Dämmung sowie eine PVC-Folie und ein Gründachaufbau.

Im bayerischen Gilching in ein neuer Unternehmenssitz für die Toni Behr Maschinen- und Apparatebau GmbH entstanden. Foto: Brüninghoff
Die rund 2.700 Quadratmeter große Produktionshalle des Neubaus verfügt über ein Tragwerk aus Spannbeton-Satteldachbindern sowie Betonfertigteilstützen. Foto: Brüninghoff
Verwaltung in Massivbauweise

Die Ausführung des 504 Quadratmeter großen Verwaltungsbereichs erfolgte dagegen in Massivbauweise mit einer Außenwand aus Kalksandstein. Den notwendigen Wärmeschutz gewährleistet eine 16 Zentimeter starke Dämmung zwischen Trag- und Vorsatzschale. Weiterhin besteht die Primärkonstruktion aus Betondecken, Rähmen und Unterzügen. Als Fassadenbekleidung wurde eine weiße Alucobond-Fassade mit Hinterlüftung gewählt. Eine Besonderheit der Außenansicht des Gebäudes ist, dass sämtliche Fassaden in einer Flucht verlaufen. Dank der verschiedenen Bekleidungen und farblichen Ausführungen sind die unterschiedlichen Nutzungsbereiche in der Außenansicht bereits deutlich ablesbar. Das Dach der Verwaltung ist ebenfalls als Warmdach – aber im Gegensatz zur Halle – ohne Begrünung ausgeführt.

Neben der Produktionshalle wurde ein zweigeschossiges Verwaltungsgebäude in Massivbauweise realisiert. Foto: Brüninghoff
Die Verwaltung bildet die nordwestliche Ecke des Gebäudes und ist quasi in die Halle eingeschoben. Foto: Brüninghoff
Frühzeitige TGA-Planung

Der Bau des neuen Firmensitzes mit seiner spezifischen Nutzung brachte gleich mehrere Herausforderungen mit sich. Zum einen erforderte das Projekt eine ausgefeilte Logistikplanung. In diesem Kontext galt es, unter anderem einen 23 Meter langen und 1,45 Metern hohen Abfangbinder (BFT) als Auflager der Stahlbetonbinder mit einem Bauteilgewicht von 40 Tonnen zu liefern und zu montieren. Die Binder gelangten paarweise per nächtlichen Sondertransport auf die Baustelle. Darüber hinaus schränkten die begrenzten Platzverhältnisse auf der Baustelle ein. „In dem Bereich der Halle stand nur eine Sektionaltoröffnung zur Verfügung, die für die Anlieferung an der Montageposition der Binder genutzt werden konnte. Dieser Umstand erschwerte das Rangieren der großen Bauteile“, erklärt Simon Haves, Projektleiter bei Brüninghoff. Aufgrund der laufenden Produktionsprozesse war zudem eine lichte Raumhöhe von sechs Metern unterhalb der Binder einzuhalten. Dies hatte zur Folge, dass die Ausführung sämtlicher Lüftungsinstallationen in der Ebene der Binder erfolgen musste. Um die erforderlichen Durchbrüche in den Bauteilen vorzusehen, fand daher eine frühzeitige Planung der technischen Gebäudeausrüstung statt.

Verschiedene separate massive Einbauten – vom Werkzeug- und Mess- bis hin zum Schweißerei- und Kompressorraum – sind in die Halle integriert. Foto: Brüninghoff
Raumklimatische Anforderungen

Auch im Hinblick auf das Raumklima gab es besondere Vorgaben. So setzt die Präzisionsfertigung eine genaue Regulierung der Raumtemperaturen in der gesamten Halle voraus. Brüninghoff installierte daher eine große und effiziente Lüftungsanlage auf dem Dach, die durch Luftkühlung und Beheizung für eine konstante Raumtemperatur von 22 Grad Celsius – bei bis zu 28 Grad Celsius Außentemperatur – sorgt. Darüber hinaus hält sie eine Temperaturdifferenz von sechs Kelvin ein. Die Lüftungskanäle wurden an den einzelnen Stützen nach unten geführt. Auch im Verwaltungsbereich wurde auf ein angenehmes Raumklima Wert gelegt. So verfügen die Büros über eine komfortable Fußbodenheizung und einer Kühlung der Büro- und Besprechungsräume.

Eine große, effiziente Lüftungsanlage auf dem Dach sorgt für eine konstante Raumtemperatur innerhalb der Produktionshalle. Foto: Brüninghoff

Dank der Verwendung vorgefertigter Bauteile wie etwa Stahlbetonbinder und -stützen in Kombination mit einer intelligenten und vorausschauenden TGA- und Logistikplanung konnte der Neubau nach nur einem Jahr Bauzeit erfolgreich fertiggestellt werden. Der Unternehmenssitz bietet den derzeit 30 Mitarbeitern des Unternehmens ideale bauliche und klimatische Bedingungen für die Fertigung von Präzisionsteilen aus den verschiedensten Materialien und beste Rahmenbedingungen für das weitere Wachstum.

Aufgrund der laufenden Produktionsprozesse war eine lichte Raumhöhe von sechs Metern unterhalb der Binder einzuhalten. Daher musste die Ausführung sämtlicher Lüftungsinstallationen in der Ebene der Binder erfolgen. Foto: Brüninghoff
Eine kurze Bauzeit von lediglich einem Jahr konnte unter anderem durch den Einsatz vorgefertigter Bauelemente erzielt werden. Foto: Brüninghoff
Ungenutztes Potential im Büro- und Verwaltungsbau